zuletzt aktualisiert am: 14.02.2019

Rede des Gemeindewehrführers Kamerad Peter Jäger

Liebe Mitglieder der freiwilligen Feuerwehr Schönerlinde Werte Gäste!

Sehr geehrte Damen und Herren!


Jubiläen sind üblicherweise ein Beleg dafür, dass sich jemand oder etwas über einen respektablen Zeitraum hinweg „über Wasser halten" konnte.
Das ist schließlich keineswegs selbstverständlich, auch dann nicht, wenn es sich um etwas Gutes handelt.

Anlass dieser Feierstunde ist das 105 jährige Jubiläum der freiwilligen Feuerwehr Schönerlinde. Die Solidarität der freiwilligen Feuerwehr ist der Beweis dafür, dass es die Bereitschaft zum Dienst am Nächsten nach wie vor gibt. Ein zu Stolz berechtigendes Jubiläum.

Eine Feuerwehr hält sich - so könnte man es auch ausdrücken -dadurch über Wasser, dass sie andere, die dieses brauchen, zur rechten Zeit unter Wasser setzt.
Sie haben das jetzt genau 105 Jahre getan - mit großem Erfolg. Sie, liebe Kameradinnen und Kameraden von der Freiwilligen Feuerwehr, können wirklich stolz sein auf sich und auch auf Ihre Vorgänger.

Sehr herzlich gratuliere ich auch im Namen der Gemeindewehrführung ihrer Feuerwehr und allen ihren Getreuen zum heutigen Ehrentag.

Ich verbinde damit den Dank für herausragende Leistungen, die einzelnen Betroffenen, aber auch der Gemeinschaft insgesamt zugute gekommen sind.
Ihre Bereitschaft, liebe Kameradinnen und Kameraden, ist das Ruhekissen der Schönerlinder Bürger.
Gäbe es Sie nicht, würde die Bevölkerung sicher schlechter schlafen -
aber nicht nur das.

Wir wissen besser als alle anderen, wie breit und vielfältig die Einsatzgebiete inzwischen geworden sind.

Das Feuer abzuwehren, wie es Ihr Name signalisiert, dürfte zu einer Aufgabe von eher untergeordneter Bedeutung geworden sein. Schönerlinde ist derzeit leider eine Ausnahme.

Technische Hilfeleistungen, Maßnahmen bei Unfällen mit Gefahrstoffen, aber auch der Einsatz bei Not- und Katastrophenfällen dürften häufiger gefragt sein als der Kampf gegen den „roten Hahn".


105 Jahre freiwillige Feuerwehr Schönerlinde umreißen einen Zeitraum, der mehrere Generationen einschließt. Vieles, was vor 105 Jahren entstanden ist, hat sich nicht bis heute gehalten ,obwohl es sehr wichtig gewesen wäre. Worin liegt das Geheimnis der Freiwilligen Feuerwehr? Was hat sie, was anderen Einrichtungen offenkundig fehlt? Was macht ihre Faszination, was ihren besonderen Reiz aus?

Darüber kann ich nur spekulieren. Dass es bei der Feuerwehr spannend zugeht, dass Nervenstärke gefragt ist und auch Gefahren drohen, gehört sicher dazu. Ich könnte mir vorstellen, dass etwas aber fast noch entscheidender ist: nämlich das Gefühl, gebraucht zu werden.

Dieses Gefühl tut gut. Es tut besonders gut in einer Zeit, wo Millionen von Menschen in ihrem Beruf keine Perspektiven sehen, wo sie arbeitslos sind und mit dem überaus unerfreulichen Gefühl leben müssen, Kostgänger der Gemeinschaft zu sein, von ihr alimentiert, durchgefüttert zu werden.

Gerade in einer Zeit des voranschreitenden Verlusts an Solidarität sind für mich die freiwilligen Feuerwehren ein Beweis dafür, dass es das noch gibt: den Dienst am Nächsten, den
Schutz von Hab und Gut des anderen und nicht dessen Zerstörung, den Bürgersinn und die
Bürgernähe.
Die Wehren sind auch ein Beweis für die Richtigkeit der Überzeugung, dass der Staat nicht alle Lebensbereiche reglementieren darf, dass die Bürger selbst so viel wie möglich in Eigeninitiative und
Eigenverantwortlichkeit regeln sollen.

Der ständige Ruf nach der öffentlichen Hand hat nicht nur so manche Kostenbelastung ausgelöst, die man sich durchaus hätte sparen können; er ist auch dafür verantwortlich, dass gerade im letzten Jahrzehnt die Leistungsbereitschaft des Einzelnen sowie Solidarität und Partnerschaft abgenommen haben.

In einer Gesellschaft, in der der einzelne Mensch nicht mehr erkennen kann, dass er von seinen Mitmenschen gebraucht wird, wo also nicht mehr das Individuum, sondern die Masse im Mittelpunkt steht, da erlahmen die Kräfte und da gilt im genauen Gegensatz zur Einstellung der Feuerwehr nicht mehr die Losung „Einer für alle - alle für einen", sondern „Jeder für sich - und der Staat für alle Nöte des Anderen".

Ich will das, was der Wohlfahrtsstaat an sozialer Sicherung und sozialem Ausgleich gebracht hat, keineswegs herabsetzen. Aber es besteht heute die ernste Gefahr, dass aus schlichter egoistischer
Bequemlichkeit jede Verantwortung für das Wohlergehen des Gemeinwesens auf den Staat, die Kommunen und auf anonyme Organisationen abgeschoben wird. Das können diese Institutionen nicht leisten:

Die Grenzen auch der finanziellen Möglichkeiten der öffentlichen Hand sind heute allgemein spürbar geworden. Das darf die öffentliche Hand aber auch nicht leisten.

Denn je mehr ihr an Verantwortung übertragen wird, desto größer werden auch ihre Möglichkeiten, direkt oder indirekt bis in den persönlichen Bereich jedes Einzelnen hinein zu wirken.
Je mehr Verantwortung auf den Staat und die Kommunen abgeschoben wird, desto weniger Verantwortung
braucht zwar der Einzelne zu übernehmen, desto geringer wird aber auch sein eigener Freiheitsraum.

Wir sollten deshalb, meine Damen und Herren, froh darüber sein, dass es bei uns Vereinigungen wie die freiwillige Feuerwehr gibt. Wir müssen Ihnen zutiefst dafür dankbar sein, dass Sie in opfervollem
Einsatz Ihren Mitbürgern helfen, die das Feuer bedroht, die das Wasser in Not bringt oder die als Opfer von Unglücksfällen gerettet werden müssen. Zu den bisher bewältigten Aufgaben kommen immer neue hinzu, die noch mehr Ausbildung, noch mehr Leistung und Opferbereitschaft erfordern werden.

Die Freiwillige Feuerwehr Schönerlinde hat seit ihrer Gründung Verlässlichkeit und Mitsorge gelebt, ganz besonders aber auch denen nahe gebracht, die im Laufe der Zeit in zumeist jugendlichem Alter
dazugestoßen sind.
Das hat ihr Erscheinungsbild nach innen und außen nachhaltig geprägt; das hat ihr auch zu der Anziehungskraft verholfen, die ihr bis heute den Vorzug verleiht, mit eine der ältesten und qualifiziertesten
Bürgerinitiativen unserer Gemeinde zu sein.

Dieses Jubiläumsfest ist ein würdiger Anlass, der freiwilligen Feuerwehr Schönerlinde für diese Dienste am Einzelnen und an der Gesellschaft öffentlich Dank auszusprechen.

Ich tue dies gern und voller Hochachtung und hoffe, dass Ihr Vorbild und Beispiel weiterwirken mögen.
Alles Gute für die Zukunft!

Bericht von: Peter Jäger, erstellt am: 02.08.2008
   
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